Der Steppenpavian
   
An einem Wasserloch im Süden Afrikas
   
Steppenpaviane kommen noch in weiten Teilen Afrikas vor und besiedeln hier
als Bodenbewohner offene Landschaften: Steppe und Savanne, aufgelockerte
Waldgebiete, aber auch Halbwüsten und Felsengebiete.
   
   

Der Steppenpavian erreicht eine Körperlänge von 55 bis 110 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 46 bis 70 Zentimeter sowie ein Gewicht von 14 bis 22 Kilogramm. Weibchen bleiben dabei deutlich kleiner und leichter als Männchen. Auch beim Gebiss unterscheiden sich die Geschlechter. Die Eckzähne, bzw. die Reißzähne der Männchen sind stark verlängert. Das Gebiss beider Geschlechter besteht aus 32 Zähnen.

   
   
Steppenpaviane streifen weit umher auf der Suche nach Nahrung.
Bei diesen täglichen Streifzügen, die morgens schon bei Sonnenaufgang beginnen,
werden bis zu 20 km zurückgelegt. Am späten Nachmittag suchen die Tiere sich
Schlafbäume, auf denen sie geschützt die Nacht verbringen.
   
   
Steppenpaviane sind in ihrer Futterwahl außerordentlich anpassungsfähig.
So nehmen Küstenpopulationen auch Muscheln und Schnecken in ihren Speiseplan mit auf, während sich Tiere in den dürren Felsgebieten hauptsächlich von Flechten ernähren. Daneben werden auch kleine Säugetiere gefangen.
 
Diese Steppenpaviane ernähren sich von Knospen, Samen und Beeren,
in Dürrezeiten graben sie Knollen und unterirdische Pflanzenteile aus.
   
   
Auch in ihrem Sozialleben sind die Steppenpaviane sehr flexibel.
Sie leben in ausgesprochen sozial strukturierten Gruppen, die zwischen 20 und 50, selten auch deutlich über 100 Individuen umfassen können. Eine Gruppe besteht aus einer Vielzahl von Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Je nach Gruppengröße umfasst die Reviergröße zwischen 1.000 und 2.000 Hektar.
   
   
Die Größe und der Zusammenhalt der Gruppe hängen wohl von der Menge
der Nahrung und der Gefahr durch Feinde ab.
Bei den täglichen Wanderungen spaltet sich eine Gruppe in kleinere Untergruppen auf. Eine Untergruppe wird von einem dominanten Männchen angeführt.
   
   
Geschlechtsreife Männchen verlassen ihre Geburtsgruppe. Sie schließen sich anderen Gruppen an, in denen sie sich der Hierarchie unterordnen müssen. Weibchen verbleiben lebenslang in ihrer Geburtsgruppe und bilden demnach den Kern einer Gruppe. Innerhalb einer Gruppe herrscht eine strikte Rangfolge. Dies gilt für Männchen und Weibchen gleichermaßen. Eine höhere Position innerhalb einer Rangfolge sichern insbesondere den Zugang zu den besten Nahrungsplätzen. Dies ist insbesondere für trächtige Weibchen oder Weibchen mit Nachwuchs wichtig. Auch strategische Freundschaften zwischen Männchen und Weibchen können Einfluss auf den Zugang zu guten Nahrungsplätzen haben.
   
   
Der Steppenpavian erreicht die Geschlechtsreife mit rund fünf bis sieben Jahren. Männchen benötigen ein Jahr länger. Die Paarungszeit ist an keine feste Jahreszeit gebunden und kann somit ganzjährig erfolgen.
   
Eine feste Paarbindung ist nicht festzustellen. Unter den Männchen kommt es zu Auseinandersetzungen um das Recht auf Paarung mit den Weibchen. Stärkere Männchen haben folglich höhere Chancen auf eine Paarung. Es ist auch beobachtet worden, dass mehrere Männchen ein oder mehrere Weibchen teilen. Nicht selten kommt es aber auch zu festen Freundschaften zwischen Männchen und Weibchen, die das Männchen gegenüber anderen Männchen verteidigt.
   
   
Der Zyklus der Weibchen erstreckt sich über 32 bis 42 Tage. Die Länge des Zyklus ist abhängig vom Weibchen und dem Verbreitungsgebiet. Wie bei allen Primaten. so gibt es auch beim Weibchen der Steppenpaviane einen Menstruationsfluss, der sich pro Zyklus über drei Tage erstreckt. Während dieser Zeit treten für gewöhnlich Regelschwellungen auf. Die eigentliche Paarungsaktivität geht vom Weibchen aus. Es folgt meist eine Paarung mit mehreren Männchen. Ist ein Weibchen schwanger, so stellt sie die Paarungsaktivitäten ein
   
   
Nach einer Tragezeit von 175 bis 180 Tagen bringt ein Weibchen meist ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind sehr selten. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 800 und 900 Gramm. Das spärliche Fell des Jungtieres weist eine schwärzliche bis rotschwarze Färbung auf. Ein Jungtier ist völlig hilflos und von seiner Mutter abhängig. In den ersten Wochen wird es von der Mutter getragen. Die Säugezeit kann sich über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten erstrecken. Die Unabhängigkeit von der Mutter wird spätestens mit rund 18 Monaten erreicht. Ein Weibchen bringt nicht jedes Jahr Nachwuchs zur Welt. Im Durchschnitt kommt es alle zwei Jahre zu einer Geburt. Stirbt ein Jungtier kurz nach der Geburt, so kann sie allerdings kurze Zeit später wieder schwanger werden.
   
   
Da sich Weibchen mit mehreren Männchen paaren, steht nicht eindeutig fest, wer der Vater ist, deshalb haben Männchen mit der Aufzucht des Nachwuchses auch nur wenig zu tun. Innerhalb einer strategischen Freundschaft kümmert sich ein Männchen gelegentlich um den Nachwuchs.
   
   
Die Pubertät der Jungtiere erstreckt sich meist über vier bis fünf Jahre. Während der Pubertät pflegen jugendliche Steppenpaviane eine enge Beziehung zu ihrer Mutter, selbst dann, wenn die Mutter bereits neuen Nachwuchs hat. Die Lebenserwartung in Freiheit kann unter günstigen Umständen bei über 30 Jahren liegen, in Gefangenschaft ist ein Alter von über 40 Jahren die Regel.
   
   

Die Kommunikation unter den Steppenpavianen erfolgt über Tast-, Sicht- und Lautäußerungen. Die allgemeine Sichtkommunikation schließt das Heben der Augenbrauen, Anstarren und Zuwenden des Hinterteils sowie das Zeigen der Zähne mit ein.

   
   
Ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation ist die Tastkommunikation, die sich insbesondere durch Fellpflege ausdrückt und im Wesentlichen die sozialen Bande innerhalb einer Gruppe stärkt. Gleichzeitig entledigen sich Steppenpaviane bei der gegenseitigen Fellpflege lästiger Parasiten.
   
   
   
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